3. März 2010 - ETH-Bereich 2011: Unsichere Finanzierung gefährdet die Auftragserfüllung
Grundlagenforschung als Voraussetzung für Innovation
Zürich und Bern, 3. März 2010 (MB/FM) – Angesichts der drohenden Mittelkürzungen des Bundes stellte der ETH-Rat an seiner Sitzung vom 1./2. März 2010 die Zuteilung der Mittel 2011 an die beiden ETH und die vier Forschungsanstalten (PSI, WSL, Empa und Eawag) zurück. Mit Blick auf das zukünftige Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz (FIFG) fordert der ETH-Rat, dass die Grundlagenforschung in demselben Mass gefördert wird wie die angewandte Forschung.
An seiner Sitzung vom 1. und 2. März 2010 hat der ETH-Rat, das strategische Führungs- und Aufsichtsgremium des ETH-Bereichs, zusammen mit den Institutionen des ETH-Bereichs die Fertigstellung der strategischen Planung 2012-2016 vorangetrieben. In deren Rahmen misst der ETH-Rat spezifischen grossen Projekten der Grundlagenforschung hohe Bedeutung zu. Wie bereits früher kommuniziert gehören dazu:
• die von der ETH Zürich geführte weitere Umsetzung der Strategie Hochleistungsrechnen (HPCN),
• der Freie Elektronen-Laser SwissFEL am PSI und
• das Neuroinformatik-Projekt BlueBrain an der EPFL.
Solche Projekte der nationalen Forschungsinfrastruktur sind entscheidend, um in der Schweiz die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit künftiger Industrien zu erhalten. Das von der Gesellschaft und Politik verlangte Wachstum bei der Ausbildung muss jedoch ebenfalls finanziert werden, was angesichts der aktuellen Budgetsituation des Bundes eine Herausforderung darstellen wird.
Mit Blick auf die Ausbildung hat der ETH-Rat acht Professorinnen und Professoren an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne ernannt.
Bedeutung der Grundlagenforschung nicht schwächen
Der ETH-Rat begrüsst sodann den Entwurf für ein neues Forschungs- und Innovationsfördergesetz (FIFG). Es wird die rechtlichen Grundlagen an die heutige Realität anpassen. Für den langfristigen Erfolg von Wissenschaft und Innovation in der Schweiz hält es der ETH-Rat jedoch für entscheidend, dass die Grundlagenforschung im neuen Fördergesetz explizit erwähnt ist. Ihre Förderung soll mit jener der angewandten Forschung gleichwertig sein. «Grundlagenforschung beginnt mit dem natürlichen Wissensdrang des Menschen. Ihr Wert besteht in der Erschliessung des nicht vorhersehbaren Neuen. Damit ist sie ein elementarer Bestandteil unseres kulturellen Erbes und, als Basis jeder Innovation, eine echte Zukunftsversicherung für die Schweiz – und somit per se förderungswürdig», sagt Dr. Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats.
Da internationale Forschungsprojekte und grenzüberschreitende Kooperationen für Forschung und Innovation in der Schweiz immer wichtiger werden, fordert der ETH-Rat, dass die Förderagentur für Innovation des Bundes (KTI) in der internationalen Forschungsförderung die gleichen Kompetenzen erhält wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF). Analog fordert der ETH-Rat im Hinblick auf bestehende und künftige strategische Allianzen, dass die so genannten «Forschungsinstitutionen von nationaler Bedeutung» (z.B. das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik CSEM) durch das neue Gesetz finanziell nicht schlechter gestellt werden dürfen als heute.
Institutionen des ETH-Bereichs vertiefen Zusammenarbeit
Ebenfalls mit Blick auf die Strategische Planung 2012-2016 hat der ETH-Rat sich mit verschiedenen Eva-uationen und Zwischenberichten zu den Leistungen des ETH-Bereichs befasst. Er hat dabei erfreut festgestellt, dass die Institutionen des ETH-Bereichs ihre Zusammenarbeit im ETH-Bereich selbst und mit anderen Hochschulen ausgebaut haben.
Der ETH-Rat hat auch sein im Sommer 2009 lanciertes Projekt zur Stärkung des gemeinsamen Auftritts der Institutionen des ETH-Bereichs bestätigt. Auf der Basis eines Zwischenberichts über die Wahrnehmung des ETH-Bereichs bei verschiedenen Zielpubliken lässt er nun verschiedene Massnahme für einen effektiven und koordinierten nationalen und internationalen Auftritt ausarbeiten. ETH-Ratspräsident Fritz Schiesser sagt dazu: «Die Zusammenarbeit der sechs Institutionen des ETH-Bereichs schafft für die Schweizer Volkswirtschaft einen grossen Mehrwert und trägt viel bei zur internationalen Attraktivität des Forschungsstandorts Schweiz. Unsere Umfragen zeigen, dass wir zwar die Marken der zwei Hochschulen und vier Forschungsanstalten nicht fusionieren sollen, aber unseren gemeinsamen Mehrwert besser darstellen müssen.»
Im Speziellen hat der ETH-Rat auch verschiedene Evaluationen zur Kenntnis genommen, davon jene des bereichsweiten Kompetenzzentrums für biomedizinische bildgebende Verfahren (National Competence Center for Biomedical Imaging NCCBI). Dabei stellt der ETH-Rat fest, dass die Zusammenfassung der Imaging-Kompetenzen von ETH Zürich, EPF Lausanne und Paul Scherrer Institut unter einem gemeinsamen Dach sowohl die internationale wissenschaftliche Exzellenz gestärkt hat als auch die multidisziplinäre biomedizinische Forschung im ETH-Bereich.
Mittelzuteilung 2011 zurückgestellt – Kürzungen des Bundes gefährden die Auftragserfüllung
Der ETH-Rat hat kurzfristig davon Kenntnis erhalten, dass der Bundesrat die von der Vierjahresplanung vorgesehene Jahrestranche 2011 substantiell zu kürzen beabsichtigt. Für die Institutionen des ETH-Bereichs schafft dies eine schwierige Situation. Der ETH-Rat hat die Mitteilzuteilung 2011 daher zurückgestellt. Der ETH-Rat erinnert daran, dass z.B. die Personalausgaben (rund 70% des Budgets des ETH-Bereichs) im bundesnahen Bereich nicht einfach gekürzt werden können. Bedeutende Zahlungen des ETH-Rats sind zudem von der Politik für einzelne Projekte vorgeschrieben, so dass der Spielraum des ETH-Bereichs zu eng ist. ETH-Ratspräsident Fritz Schiesser hatte bereits in seiner früheren Aufgabe als Mitglied des Ständerats darauf hingewiesen, dass Bildung und Forschung langfristiger Natur sind und ihre Finanzierung nicht jährlich zum Spielball werden darf. Mit Blick auf die Auswirkungen für die Wirtschaft sagt der Vizepräsident des ETH-Rats, Prof. Dr. Paul L. Herrling: «Die Schweizer Wirtschaft ist auf Top-Nachwuchs aus der Grundlagenforschung und aus den angewandten Disziplinen des ETH-Bereichs angewiesen. Als Wirtschaftsvertreter freue ich mich über das Wachstum der Studierenden an den beiden ETH in relevanten Fächern. Die beiden ETH machen keine Qualitätsabstriche, benötigen dafür aber auch ausreichendes Personal und entsprechende finanzielle Mittel.»
Hinweis: Hier finden Sie ein Positionspapier des ETH-Rats zum Bundesgesetz über die Förderung von Forschung und Innovation (FIFG).
11. Dezember 2009 - Der ETH-Rat ernennt neue Vizepräsidenten und Direktionsmitglieder im ETH-Bereich
Der ETH-Rat hat am 9./10. Dezember 2009 einen Vizepräsidenten Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich sowie einen neuen Vizepräsidenten für akademische Angelegenheiten an der EPFL gewählt. Zudem hat er vier neue Mitglie-der in die Direktionen der drei Forschungsanstalten WSL, Empa und Eawag bestellt. Für die strategische Planung 2012-2016 hat der ETH-Rat weitere Grundsatzentscheide gefällt.
Der ETH-Rat, das strategische Führungsorgan und der Arbeitgeber des ETH-Bereichs, hat an seiner Sitzung vom 9./10. Dezember 2009 auf Antrag des jeweiligen Präsidenten einer Eidg. Technischen Hochschule sowie der Direktorin und der Direktoren einer Eidg. Forschungsanstalt insgesamt sechs Leitungspositionen in den Institutionen neu besetzt.
ETH Zürich: Robotik-Pionier zum Vizepräsidenten gewählt
Prof. Dr. Roland Yves Siegwart (*1959) wird neuer Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich. Der ETH-Rat hat den Schweizer Staatsbürger auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich, Prof. Dr. Ralph Eichler, gewählt. Roland Siegwart ist ein Pionier der Robotikforschung mit ausserordentlichem Leistungsausweis in Lehre, Forschung und Technologietransfer. Er repräsentiert die Ingenieurwissenschaften in der Schulleitung.
Mit seiner Forschung hat Roland Siegwart wichtige wissenschaftliche Grundlagen für die Entwicklung von autonomen mobilen Robotern gelegt. Solche Roboter können sich an neue Situationen anpassen und interaktiv agieren. Anwendungsbeispiele sind Service- und Raumfahrt-Roboter oder Mikro-Fluggeräte. Als Studiendelegierter im Departement Maschinenbau und Ver-fahrenstechnik hat Siegwart seit 2007 neue Lehransätze für die Ingenieurausbildung entwickelt und insbesondere mit innovationsorientierten Fokusprojekten die wachsende Beliebtheit des Maschineningenieurstudiums an der ETH Zürich gefördert. Für eine breite Öffentlichkeit sichtbar wurde Roland Siegwarts Forschung im Sommer 2009, als Studierende aus seinem Institut für Robotik und intelligente Systeme zusammen mit Studierenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) die helikopterartige fliegende Filmrolle «Reely», das autonome Segelboot «AVALON» und den Roboterfisch «Naro» entwickelten.
Roland Siegwart ist seit Juli 2006 ordentlicher Professor für autonome Systeme an der ETH Zürich.
Davor war er unter anderem von 1996 bis 2006 Professor für autonome Mikrosysteme an der EPF Lausanne und Gründungsvorsitzender des Space Centers der EPFL. Roland Siegwart hat die Schweizer Ingenieurwissenschaften in zahlreichen namhaften nationalen und internationalen Organisationen der Forschungsförderung vertreten: Derzeit ist er als Mitglied des Forschungsrates des schweizerischen Nationalfonds SNF und als Experte der Internationalen Stiftung für Robotik (International Foundation of Robotics Research IFRR) tätig. Die zahlreichen Innovationspreise und Patente sowie seine Beteiligung an der Gründung von fünf Spin-offs im Bereich autonomer Roboter und Navigationssysteme unterstreichen Siegwarts Engagement für Wissenschaft, Technologie und Wissenstransfer. Insbesondere pflegt Siegwart den intensiven Austausch mit hoch innovativen KMU in der Schweiz.
Der ETH-Rat hat Roland Siegwart auf den 1. Januar 2010 gewählt. Er folgt auf den Naturwissenschafter Peter Chen, der von seinem Amt als Vizepräsident Forschung und Wirtschaftsbeziehungen der ETH Zürich per Ende September 2009 zurücktrat.
Weiterführende Informationen:
«Fliegende Filmrolle schwebt in den USA». Bericht im Online Magazin ETH Life vom 27. August 2009: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/090827_reely_ava/index/0
«Fokusprojekt Avalon - Generalprobe bestanden». Bericht im Online Magazin ETH Life vom 24. Juli 2009: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/090724_Avalon_Portugal_ch/
«Wie ein Fisch im Wasser». Bericht im Online Magazin ETH Life vom 20. Juli 2009:
http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/090720_Naro_Computerfisch_mas/index/1
«Zurück zur Sinnlichkeit». Interview in ETH Life vom 6. August 2009 mit den Professoren Roland Siegwart und Lino Guzzella vom Departement für Maschinenbau und Verfahrenstechnik der ETH Zürich: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/090806_guzzella_siegwart_ch/index/4
EPFL: Stabschef des französischen Forschungsministeriums wechselt in die Schulleitung
Prof. Dr. Philippe Gillet (*1958) wird neuer Vizepräsident für akademische Angelegenheiten an der EPF Lausanne. Der ETH-Rat hat den französischen Staatsbürger auf Antrag des Präsidenten der EPF Lausanne, Prof. Dr. Patrick Aebischer, gewählt und zum ordentlichen Professor für Physik an der EPF Lausanne ernannt.
Philippe Gillet ist ein international renommierter Geophysiker und Geochemiker, der über einen bestechenden Leistungsausweis sowohl in Lehre und Forschung als auch im Hochschulmanagement und in der Wissenschaftspolitik verfügt. Mit seiner Forschung über die Druck- und Temperaturverhältnisse im Erdinneren hat Phillippe Gillet den Erdwissenschaften wichtige Impulse gegeben – und insbesondere neue Einsichten in die Gebirgsbildung im Alpenraum geliefert. Philippe Gillet zählt in den Erdwissenschaften zu den am meisten zitierten Wissenschaftern und hat über 100 relevante Publikationen veröffentlicht. Die zahlreichen Auszeichnungen und Berufungen in wissenschaftliche Gremien weisen Gillet als aussergewöhnliche Forscherpersönlichkeit aus. Ausserdem hat er erfolgreich Grossforschungsprojekte geleitet – zum Beispiel als Präsident der französischen Lichtquelle «Synchrotron-Soleil».
Zuletzt war Philippe Gillet seit 2007 als Stabschef im französischen Ministerium für Hochschulwesen und Forschung tätig. In dieser Funktion hat Gillet zukunftsweisende Reformen des französischen Hochschulsystems federführend begleitet, darunter das Gesetz zur Autonomie der französischen Hochschulen sowie die Formulierung einer nationalen Strategie für Forschung und Innovation. Zuvor hatte Philippe Gillet von 2003 bis 2007 die École Normale Supérieure in Lyon als Direktor geleitet, die eine der grossen französischen ist. – Mit seiner Wahl stärkt der ETH-Rat die EPF Lausanne im Hinblick auf ihre globalen Stellung und ihre wissenschaftspoliti-schen Beziehungen mit Frankreich und Europa.
Der ETH-Rat hat Philippe Gillet auf den 1. April 2010 gewählt. Er wird damit Nachfolger von Prof. Dr. Giorgio Margaritondo, der sich nach sechs Jahren in der Schulleitung der EPF Lausanne wieder seinen Forschungsaktivitäten im Bereich der Spektromikroskopie und der biomedizinischen bildgebenden Verfahren widmen wird. Der ETH-Rat verdankt Giorgio Margaritondos beachtenswerte Verdienste für Lehre und Forschung an der EPF Lausanne (Projekt «priorité 1ère année»). Insbesondere würdigt der ETH-Rat sein Engagement für zukunftsweisende Grossinfrastrukturen und institutionsübergreifende Initiativen für die Spitzenforschung in der Schweiz. Zum Beispiel vertritt Giorgio Margaritondo die Schweiz als Präsident im europäischen Netzwerk der Synchrotron Lichtquellen (Elisa), und er hat massgeblich zur Formulierung der nationalen Strategie Hochleistungsrechnen (HPCN) beigetragen.
Weiterführende Informationen:
Webseite der EPFL mit Medienmitteilung, Curriculum Vitae und Presseartikel über Phillippe Gillet:http://actualites.epfl.ch/
Webseite des französischen Ministeriums für Hochschulwesen und Forschung:
http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr/cid20075/cabinet-valerie-pecresse.html
WSL: Neues Direktionsmitglied mit Forschungsschwerpunkt Walddynamik
Der ETH-Rat hat auf Antrag von Prof. Dr. James Kirchner, des Direktors der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Dr. Andreas Rigling (*1964), Schweizer Staatsbürger, per 1. November 2009 als Mitglied der Direktion der WSL angestellt. Andreas Rigling ist gelernter Forstwart und promovierter Forstwissenschafter. Seit dem 1. Juli 2006 leitet er mit grossem Erfolg die WSL-Forschungseinheit Walddynamik, die fünf Forschungsgruppen umfasst. Die Einheit untersucht die Dynamik von Wald-Ökosystemen und entwickelt Konzepte für die nachhaltige Waldbewirtschaftung.
Andreas Rigling ist ein ausgewiesener Experte für die Ökologie der Gebirgswälder, für Dendroökologie sowie für Walddynamik und Klimawandel. Seine Forschungsprojekte im Bereich der Waldökologie ermöglichen neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Artenvielfalt in Wäldern, die sich an veränderte Klimabedingungen anpassen müssen. Diese Erkenntnisse werden in der internationalen Waldforschung gleichermassen geschätzt wie bei den Partnern in der Schweizer Politik und Gesellschaft. In seiner bisherigen Funktion hat Andreas Rigling insbesondere die wichtige Brückenkopffunktion der Waldforschung an der WSL zur Forstpraxis und zur Holzwirtschaft intensiv gepflegt und gestärkt.
Rigling ersetzt Dr. Norbert Kräuchi, den der Regierungsrat des Kantons Aargau per 1. November 2009 zum neuen Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) ernannt hat. Der ETH-Rat verdankt die Leistungen von Dr. Norbert Kräuchi, der seit 1994 die Forschungsaktivitäten der WSL auf dem Gebiet der Wald-Ökosysteme nachhaltig mitgeprägt sowie als Leiter der WSL-Forschungseinheit Forstliche Pro-duktionssysteme und als Mitglied der WSL-Direktion wichtige Aufgaben im Kontakt mit den Partnern der schweizerischen Waldwirtschaft und der europaweiten Waldforschung wahrgenommen hat.
Weiterführende Informationen
Webseite der WSL-Forschungseinheit Walddynamik:
http://www.wsl.ch/forschung/forschungsunits/walddynamik/index_DE?-C
Persönliche Homepage von Dr. Andreas Rigling:
http://www.wsl.ch/personal_homepages/riglinga/index_EN?redir=1
Empa: Zwei neue Direktionsmitglieder zur Stärkung der Nanowissenschaften
Der ETH-Rat hat auf Antrag von Prof. Dr. Gian-Luca Bona, des Direktors der Forschungs- und Dienstleistungsinstitution Empa, die beiden Nanowissenschafter Dr. Pierangelo Gröning (*1958) und Prof. Dr. Harald Krug (*1952) als Mitglieder der Direktion angestellt.
Pierangelo Gröning leitet seit 2003 die Abteilung «nanotech@surfaces» mit grossem Erfolg und seit 2006 das Departement «Advanced Materials and Surfaces», das neun wissenschaftliche Abteilungen in Thun und in Dübendorf umfasst. Seit 2006 ist Pierangelo Gröning Mitglied der Empa-Direktion ad interim. In dieser Funktion hat er zahlreiche Impulse für die nanotechnologi-sche Ausrichtung der Materialforschung an der Empa gegeben. Der ETH-Rat bestätigt Pierangelo Gröning nun per 1. Januar 2010 definitiv als Direktionsmitglied.
Mit über 100 wissenschaftlichen Publikationen in namhaften Zeitschriften geniesst Pierangelo Gröning weltweit hohes Ansehen für seine Forschung in der Oberflächen- und Grenzflächenphysik. Als Laborleiter fokussiert Gröning erfolgreich auf den Technologietransfer aus der anwendungsorientierten Grundlagenforschung im Bereich Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Molekularelektronik in die Industrie. Dies äussert sich in zahlreichen Industriekooperationen, Patenten und Produktanwendungen. Ausserdem engagiert sich Gröning persönlich in der Vermittlung attraktiver Forschungsaktivitäten aus der Nano- und Materialwissenschaft an künftige Studierende. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Gröning mit seiner Forschung über die Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die unter anderem als Elektronenquelle für hoch brillante Flachbildschirme oder Röntgenröhren verwendet werden können und über organische Dünnschichten und Nanodrähten, die in elektronischen und optoelektronischen Komponenten sowie als optische Gassensoren eingesetzt werden können.
Harald Krug (*1952), deutscher Staatsangehöriger, ist ein weltweit führender Toxikologe, der seit dem 1. Januar 2007 an der Empa angestellt ist. In kürzester Zeit hat er am Empa-Standort in St. Gallen die international stark beachtete Abteilung «Materials-Biology Interactions» aufgebaut. Mit seinem Eintritt in die Direktion werden die Bereiche Nanotoxikologie und Biotechnologie noch nachhaltiger in der Materialforschung der Empa verankert.
In seiner Forschung untersucht Harald Krug die Auswirkungen von Nanopartikeln auf das menschliche Immunsystem, auf Zellen und Gewebe sowie mögliche Immunreaktionen des menschlichen Körpers auf Nanomaterialien. Harald Krug hat sich in den vergangenen Monaten auch in den Publikumsmedien als sachlicher und differenzierter Fachmann für die Chancen und Risiken von Nanopartikeln profiliert. Als weltweit anerkannter Experte für Nanowissenschaften wirkt Harald Krug in renommierten internationalen Forschungs- und Technologie-Organisationen mit und lehrt seit 2008 als Titularprofessor am Anatomischen Institut der medizinischen Fakultät der Universität Bern.
Harald Krug tritt per 1. Januar 2010 in die Direktion der Empa ein und ersetzt Markus Rüedi, der Ende 2009 in den Ruhestand treten wird. Der ETH-Rat verdankt Markus Rüedis Leistungen bei der Transformation der Empa von einer Materialprüfungsanstalt zu einer zeitgemässen Materialforschungs- und Dienstleistungsinstitution. Als Leiter des Departements «Materialien und Systeme zum Schutz und Wohlbefinden des menschlichen Körpers» hat Markus Rüedi den Paradigmenwechsel in der Forschungsstrategie der Empa Ziel führend umgesetzt. Unter Rüedis Departementsführung hat die Empa im Bereich der Materialien mit besonderen Eigenschaften und der funktionalen Textilien nachhaltig zur Stärkung der Textilindustrie und des Spitzensports in der Schweiz beigetragen. Zum Beispiel wurden die Sportpferde der Schweizer Mannschaft an den Olympischen Spielen 2008 in China mit Hightech-Decken der Empa ausgestattet.
Weiterführende Informationen:
«Ein Nanoteppich als Gassensor». Bericht in der EmpaNews, dem Forschungsmagazin der Empa, Nummer 25, Mai 2009: http://www.empa.ch/plugin/template/empa/*/89948
«Immunreaktion auf Nanomaterialien?» Bericht in der EmpaNews, dem Forschungsmagazin der Empa, Nummer 27, Oktober 2009: http://www.empa.ch/plugin/template/empa/*/89246
Eawag: Neues Direktionsmitglied mit Fokus auf aquatischer Evolutionsbiologie
Der ETH-Rat hat auf Antrag von Prof. Dr. Janet Hering, der Direktorin des Wasserforschungs-Instituts Eawag und Mitglied des ETH-Rats, Prof. Dr. Jukka Jokela (*1963) per 1. Januar 2010 als Mitglied der Direktion angestellt.
Jukka Jokela (*1963), finnischer Staatsbürger, leitet seit 2005 die Abteilung Gewässerökologie der Eawag und ist ordentlicher Professor für Aquatische Ökologie an der ETH Zürich. Er ist ein weltweit anerkannter Experte für die Evolution von aquatischen Organismen und für Fragen der Co-Evolution von Parasiten und ihrer Träger-Spezies. Mit der Anstellung von Jukka Jokela als Mitglied der Direktion bekräftigt der ETH-Rat, dass der interdisziplinäre Forschungsbereich Ökologie und Evolution als Schwerpunkt der Wasserforschung der Eawag gestärkt wird. Die Erhaltung der Biodiversität in Gewässern und der umweltgerechte Umgang mit eingeschleppten, invasiven Tier- und Pflanzenarten zeigen mustergültig, wie die im Leistungsauftrag des Bundesrates geforderte themenorientierte Forschung im Dienste der Gesellschaft umgesetzt wird. Breite Resonanz in der Öffentlichkeit erhielt Jukka Jokela im Sommer 2009 mit einer Publikation, die am Beispiel der Neuseeländischen Deckelschnecke zeigt, dass die sexuelle Fortpflanzung in einer Umgebung mit vielen Parasiten für die Schnecken-Population langfristig entscheidende Vorteile bringt. Mit Jukka Jokela wird die Direktion der Eawag komplettiert.
Weiterführende Informationen:
Persönliche Homepage von Prof. Dr. Jukka Jokela
http://www.eawag.ch/about/personen/homepages/jokelaju/index
«Sex hilft gegen Parasiten». Medienmitteilung der Eawag vom 31. Juli 2009: http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20090731
Grossprojekte und Kompetenzzentren wichtig für Strategie 2012-2016
Ausserdem hat der ETH-Rat seine Strategischen Planung für die Periode 2012-2016 für die interne Vernehmlassung bei den sechs Institutionen (ETH Zürich, EPFL, PSI, WSL, Empa, Eawag) bearbeitet. Bereits früher hat der ETH-Rat die Schwerpunktgebiete festgehalten, in welchen die Portfolios der zwei Hochschulen und vier Forschungsanstalten weiterentwickelt werden sollen.
An der Sitzung vom 9./10. Dezember hat der ETH-Rat beschlossen, die Kompetenzzentren des ETH-Bereichs in die Strategische Planung 2012-2016 aufzunehmen. Dies betrifft die Zentren für Energie und Mobilität CCEM, Umwelt und Nachhaltigkeit CCES, Materialwissenschaft CCMX sowie, vorbehältlich des positiven Ausgangs der in diesem Fall noch ausstehenden Eva-luation, das Zentrum für Biomedizinische bildgebende Verfahren NCCBI. Diese Zentren für themenorientierte Forschung, die 2006 mit einer Anschubfinanzierung durch den ETH-Rat ins Leben gerufen worden waren, haben sichtbare Erfolge erzielt und die Zusammenarbeit im ETH-Bereich gestärkt. Der ETH-Rat will sich schrittweise von der direkten Finanzierung aus seinem eigenen Budget zurückziehen, ermuntert die Zentren jedoch, ihre Arbeit fortzuführen und dazu ihre externe Finanzierung zu verstärken. Sodann hat der Rat die weitere Umsetzung der nationalen Strategie Hochleistungsrechnen (HPCN) mit dem nationalen Spitzenrechner am schweizerischen Zentrum für Hochleistungsrechnen (CSCS) im Tessin, den Bau des Freie-Elektronen-Röntgenlasers «SwissFEL» am PSI sowie das Neuroinformatikprojekt «Blue Brain» an der EPFL in seine Strategie aufgenommen.
Des Weiteren hat sich der ETH-Rat für die Weiterführung der beiden nationalen Initiativen für Systembiologie, SystemsX.ch, und für Informations- und Nanotechnologien, Nano-Tera.ch ausgesprochen. Die beiden 2008 gestarteten, gesamtschweizerischen Forschungsinitiativen tragen wesentlich zu je einem Schwerpunktgebiet des ETH-Bereiches bei und bündeln die Forschungsanstrengungen aller Schweizer Hochschulen.
Im Hinblick auf eine Flexibilisierung des Immobilienmanagements im ETH-Bereich wird der Präsident durch den ETH-Rat beauftragt, weitere Schritte vorzubereiten und diese bei Diskussionen mit den Bundesbehörden einzubringen und in entsprechende Verhandlungen zu treten. Welche Folgen und Vorteile eine Übertragung des Eigentums an den Immobilien des ETH-Bereichs hat, wird der ETH-Rat nochmals intensiv prüfen, um zu entscheiden, ob er eine solche Übertragung zu einem mittelfristigen Ziel erhebt.