NewsETH-Rat wählt 12 neue Professorinnen und Professoren im ETH-Bereich
Qualität in der Lehre und Spitzenforschung als oberstes Gebot
Basel 30. Juni 2010 (MB/FM) – Der ETH-Rat, das strategische Führungs- und Aufsichtsgremium des ETH-Bereichs hat an seiner Sitzung vom 28. und 29. Juni 2010 12 Professorinnen und Professoren an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne gewählt und sich im Rahmen einer Klausurtagung mit den Perspektiven des ETH-Bereichs befasst.
Insgesamt hat der ETH-Rat an seiner Sitzung 12 Professorinnen und Professoren an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne gewählt, zwei Titularprofessoren an der EPFL ernannt und zwei Anstellungen von Professoren der ETH Zürich verlängert. Diese Professuren umfassen interdisziplinäre, grundlagen- und anwendungsorientierte Forschungsgebiete wie das Bauingenieurwesen, die Hochleistungselektronik, die Energieforschung, die Computerwissenschaften, die Quantenforschung und naturwissenschaftliche Grundlagen der Biomedizin.
Für die beginnende Diskussion um die Förderpolitik des Bundes für Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2012 und 2013-2016 wird der ETH-Rat die Planungsarbeit voraussichtlich im Herbst abschliessen. «Dabei hat eine qualitativ erstklassige Lehre und ein hochstehendes Lernumfeld für den ETH-Rat oberste Priorität», sagt Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats. Die Nähe zur Forschung an den Hochschulen und in den Forschungsanstalten ist im ETH-Bereich eine klare Trumpfkarte für die Lehre. Um diese weiter zu spielen und den Forschungsstandort Schweiz international attraktiv zu halten, muss die Schweiz ebenso weiterhin in Forschungsinfrastrukturen investieren», sagt Fritz Schiesser weiter.
Im Rahmen der Klausurtagung hat der ETH-Rat sich generell und mit Blick über den Zeitraum 2016 hinaus mit Themen wie namentlich Diversity und Chancengleichheit, künftigen thematischen Schwerpunkten, Risikomanagement und Finanzierungsstrategien befasst. Naturgemäss ging es dabei um eine Reflexion, und es wurden keine Beschlüsse gefällt.
Bundesrat wählt Joël Mesot zum Mitglied des ETH-Rats
18. Juni 2010 - Der Bundesrat hat den Schweizer Festkörperphysiker und Direktor des Paul Scherrer Instituts (PSI), Professor Dr. Joël Mesot (*1964), zum neuen Mitglied des ETH-Rats gewählt. Dr. Mesot folgt im strategischen Führungsgremium des ETH-Bereichs auf die amerikanische Umweltchemikerin Professor Dr. Janet Hering (* 1958), die vom Bundesrat für eine zweite Amtszeit als Direktorin der Eidgenössischen Forschungsanstalt Eawag gewählt worden ist.
Mit seiner Wahl folgt der Bundesrat dem Antrag des ETH-Rats und der gemeinsamen Empfehlung der Direktorin und der Direktoren der vier Eidgenössischen Forschungsanstalten des ETH-Bereichs. Prof. Dr. Joël Mesot ist bis 2011 gewählt worden und vertritt im ETH-Rat die Eidgenössischen Forschungsanstalten. Dr. Joël Mesot tritt sein Amt per 1. Juli 2010 an. Der Physiker und Professor an der ETH Zürich und an der ETH Lausanne leitet seit August 2008 das Paul Scherrer Institut (PSI).
Ebenfalls auf Antrag des ETH-Rats hat der Bundesrat Prof. Dr. Janet Hering als Direktorin der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) für eine zweite Amtszeit bis 2014 wiedergewählt. Dr. Janet Hering ist seit Anfang 2007 Direktorin des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs und hält seit Mai 2010 eine Doppelprofessur an der ETH Zürich und an der ETH Lausanne. Dr. Janet Hering tritt auf eigenen Wunsch aus dem ETH-Rat aus und wird sich in Zukunft auf ihre Doppelprofessur sowie auf die Direktionsaufgaben in der Eawag konzentrieren.
ETH-Rat arbeitet an strategischer Planung
ETH-Bereich: Entwicklung trotz unsicherer Zeit ermöglichen
Lausanne, 20. Mai 2010 (MB) – Der ETH-Rat hat am 18./19. Mai 2010 vor dem Hintergrund unsicherer finanzieller Perspektiven an seiner Strategischen Planung 2012-2016 gearbeitet. Ebenso hat er provisorisch die Mittelverteilung für 2011 beschlossen und sich zur Wichtigkeit der tierexperimentellen Forschung für den ETH-Bereich ausgesprochen. Weiter hat er insgesamt 38 Professorinnen und Professoren ernannt. Zusätzlich hat er Prof. Dr. Janet Hering, Direktorin der Eawag und Professorin an der ETH Zürich, auch zur Professorin an der EPFL berufen.
Der ETH-Rat, das strategische Führungs- und Aufsichtsgremium des ETH-Bereichs, hat am 18./19. Mai 2010 in Lausanne getagt und sich weiter mit seiner Strategischen Planung der Leistungsperioden 2012 sowie 2013-2016 auseinander gesetzt. Der ETH-Rat erarbeitet dieses Dokument unter intensiver Beteiligung der zwei Hochschulen und vier Forschungsanstalten des ETH-Bereichs. Es bildet eine der wichtigen Grundlagen für die anstehenden Botschaften des Bundesrats über Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft). Allerdings wird diese Planung derzeit von der unsicheren Entwicklung des Finanzierungsbeitrages des Bundes belastet.
Drohende Kürzungen verlangen Prioritäten: Lehre und Ruf nicht gefährden
Mit Blick auf die Strategische Planung hat sich der Rat daher gefragt, wie allenfalls die Prioritäten in schlechten Zeiten zu setzen wären. «Der ETH-Rat hat sich einstimmig für eine hohe Priorität der Lehre, also der Ausbildung des Nachwuchses ausgesprochen», sagt Präsident Dr. Fritz Schiesser. Gleichzeitig warnte der ETH-Rat aber davor, bei der Forschung zurückzustecken. Der ETH-Rat findet es daher umso stossender, dass der Erfolg des ETH-Bereichs beim Einwerben von Forschungsmitteln (Nationalfonds, KTI-Projekte, Europäische Forschungsgelder und private Mittel) nun als Argument für die Kürzung des Grundbeitrages des Bundes verwendet wird. «Die von den Institutionen und dem ETH-Bereich als Ganzem geplanten Forschungsschwerpunkte und die drei Grossprojekte Hochleistungsrechnen (HPCN), Freier Elektronen-Laser (SwissFEL) und Blue Brain sind wichtig für den Erhalt des von der Politik verlangten, internationalen Spitzenplatzes in der Forschung. Diese Projekte sind auch ein wichtiger Beitrag der Schweiz zum Forschungsplatz Europa», sagt Prof. Dr. Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich. «Der gesamte ETH-Bereich ist in allen Regionen der Schweiz sehr erfolgreich in der Forschung und im Wis-senstransfer in die Wirtschaft; gerade in schwierigeren Zeiten, darf dieser Erfolg nicht bestraft werden», sagt Prof. Dr. Patrick Aebischer, Präsident der EPFL. Er sagt weiter: «Täglich erlebe ich, wie Firmen die Nähe zu unseren Hochschulen und Forschungsanstalten suchen, denn diese sind ein wichtiger Motor für die Wirtschaft.»
Die aktuell geplanten Sparvorlagen würden den ETH-Bereich im Jahre 2011 kumuliert mit 66.6 Mio. CHF und bis 2014 mit über 200 Mio. CHF treffen. Hinzu träten voraussichtlich massive indirekte Kürzungen (z.B. SNF, Ressortforschung des Bundes). Vor diesem Hintergrund nahm der ETH-Rat die Mittelzuteilung für 2011 nur vorläufig vor und wird weiterhin gegen den Löwenanteil der geplanten Kürzungen kämpfen. Um der wachsenden Last der Institutionen Rechnung zu tragen und ihre hohe Qualität in Lehre, Forschung und Wissenstransfer weiterhin zu gewährleisten, will der ETH-Rat von einer minimalen Er-höhung der Mittel um 1 % nicht abweichen.
Um zugleich den aktuellen Eventualverpflichtungen gegenüber der Pensionskasse des Bundes PUBLICA nachzukommen, muss der ETH-Rat die Finanzierung nationaler Kooperations- und Innovationsprojekte der Schweizerischen Universitätskonferenz (SUK) reduzieren. Er hat daher für 2011 eine lineare Kürzung dieser Beiträge um 3% beschlossen. Wichtigste SUK-Projekte sind die beiden nationalen Forschungsinitiativen für Systembiologie, SystemsX.ch, sowie für Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologien, Nano-Tera.ch. Für die Jahre 2012-2016 hat der ETH-Rat seinen Präsidenten ermächtigt, über die weitere Finanzierung dieser Initiativen zu verhandeln.
Nachdem für die drei Kompetenzzentren CCEM, CCES und CCMX bereits früher die Finanzierungsszenarien im Rahmen der Vorarbeiten zur Strategischen Planung 2012-2016 beschlossen wurden, hat der ETH-Rat nun aufgrund der von ihm zur Kenntnis genommenen, positiven Evaluation des Kompetenz-zentrums für biomedizinische bildgebende Verfahren (NCCBI) und vorbehältlich allfälliger Kürzungen des Budgets für den ETH-Bereich seine die Beiträge für das NCCBI für die Jahre 2012-2015 beschlossen.
Tierversuche: den Bildungs- und Forschungsplatz Schweiz nicht schwächen
Der ETH-Rat hat sich weiter mit der zunehmenden Bedeutung von Tierversuchen im ETH-Bereich befasst und zum Thema ein neues Fact Sheet verabschiedet. Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADHS nehmen auch als Folge der steigenden Lebenserwartung weltweit zu. Die Life Science-Forschung und die Medizintechnik, welche zu den Schwerpunkten des ETH-Bereichs zählen, schaffen wesentliche Grundlagen zum Verstehen dieser kom-plexen Krankheiten und zur Entwicklung differenzierter Therapien und Hilfen. «Während viele Experi-mente heute in Zellkulturen und Modellen stattfinden, ist die tierexperimentelle Forschung nach wie vor unerlässlich, in gewissen innovativen Gebieten sogar von steigender Bedeutung. Die Forschung gewichtet dabei das Tierwohl hoch und führt ihre Experimente nach strengen ethischen und gesetzlichen Re-geln durch», sagt Dr. Markus Stauffacher, Mitglied des ETH-Rats und selbst Forscher auf den Gebieten der Tierethologie und des Tierschutzes. Der ETH-Rat legt auf die fachgerechte Haltung und Pflege der Labortiere sowie den respekt- und verantwortungsvollen Umgang mit ihnen grossen Wert. Dazu gehört auch die strikte Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, die für Versuche an Wirbeltieren eine Güterabwägung vorsehen. Diese hat auch im bekannt gewordenen Fall der Primatenversuche an Universität und ETH Zürich stattgefunden. Die kantonale Tierversuchskommission hat in diesem Fall allerdings den po-tentiellen Erkenntnisgewinn der Grundlagenforschung tief gewichtet. Dazu sagt Prof. Dr. Paul Herrling, Vize-Präsident des ETH-Rats: «Während die Tierschutzverordnung des Bundes klar ist und sich bei der Beurteilung von Belastungen auf naturwissenschaftliche Parameter stützt, kann der etwas vage Verfassungsbegriff der ‚Würde der Kreatur‘ extrem ausgelegt werden. Wenn Erkenntnisse der Grundlagenfor-schung nicht mehr so hoch gewichtet werden, so gefährdet dies den Forschungsplatz Schweiz. Die Nachricht vom Fall hat sich bei den Forschenden weltweit rascher als uns lieb ist, verbreitet.»
Direktorin der Eawag neu mit Doppelprofessur an ETH Zürich und EPFL
Der ETH-Rat hat weiter insgesamt 38 Professorinnen und Professoren an der ETH Zürich und an der ETH Lausanne (EPFL) ernannt oder wiederernannt. Insgesamt acht Professuren sehen ausdrücklich die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Institutionen des ETH-Bereichs sowie Kooperationen mit For-schungspartnern im Inland (CERN) und im Ausland (Ras al-Kaimah) vor. Zusätzlich hat der ETH-Rat Prof. Dr. Janet Hering, Direktorin der Eawag und Professorin an der ETH Zürich, neu auch zur Professorin für Umweltchemie an der EPFL ernannt. Dr. Fritz Schiesser sagt dazu: «Die Zusammenarbeit im ETH-Bereich wächst, im Speziellen auch jene zwischen der EPFL und der Eawag. Die neue Doppelprofessur von Janet Hering ist nicht nur ein gutes Zeichen, sondern auch ein starkes Fundament für den weiteren Ausbau der Kooperation.»
Zunahme ausländischer Konkurrenz – ETH-Bereich benötigt solide Finanzierung
ETH-Bereich: international Spitze, nationaler Innovationsmotor
Bern, 22. April 2010 (MB/FM) – Der ETH-Bereich trägt mit seinen zwei Hochschulen in Zürich und Lausanne sowie den vier Forschungsanstalten PSI, WSL, Empa und Eawag auf mannigfache Wei-se zum Erfolg des Standorts Schweiz bei. Zu Gunsten des Schweizer Arbeitsmarkts wuchs die Studierendenzahl an den beiden ETH 2009 um 7.1%, in Informatik- und Ingenieurwissenschaften gar um fast 10%. Mit neuen Plattformen an der ETH Zürich und eigentlichen Inkubatoren an der EPFL sowie an Empa und Eawag wurde der Wissens- und Technologietransfer 2009 gestärkt. In-ternationale Rankings, der Erfolg in Forschungswettbewerben und renommierte Preise bestätigen, dass die Spitzenposition in der Forschung auftragsgemäss ausgebaut werden konnte. Angesichts massiver Investitionen Europas und Asiens in Bildung, Forschung und Technologie darf die Schweiz nun aber nicht zurückfallen.
An der Jahresmedienkonferenz des ETH-Rats, des strategischen Führungs- und Aufsichtsorgans des ETH-Bereichs, zeigte ETH-Ratspräsident Dr. Fritz Schiesser auf, dass die beiden ETH in Zürich und Lausanne sowie die vier Forschungsanstalten (PSI, WSL, Empa und Eawag) vielfältige Beiträge zur Qualität des Lebens-, Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Schweiz leisten. 2009 verzeichneten ETH Zürich und EPF Lausanne zum zweiten Mal in Folge eine Zuwachsrate der Studierenden von insgesamt über 7 Prozent. Dies und das markante Wachstum bei den Neueintritten in den Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften (+ 13,6 Prozent) sowie Informatik und Kommunikationstechnologie (+ 21,8 Prozent) entspricht den Bedürfnissen des Schweizer Arbeitsmarkts. «Angesichts der hohen Nachfrage nach ETH-Absolventinnen und ETH-Absolventen erachtet der ETH-Rat eine kontrollierte Wachstumsstrategie für richtig», sagte Fritz Schiesser. Zur Steuerung des Wachstums und zur Wahrung des Profils der beiden ETH machen diese bewusst keine Abstriche bei den Anforderungen an die Studierenden. Zugleich inves-tieren die beiden Hochschulen in die Qualität der Lehre und des Betreuungsverhältnisses: So haben sie die Zahl der Professuren 2009 um 5.8% auf total 670 erhöht, was aber nur dank erfolgreicher Beschaffung von Drittmitteln möglich war. Die vier Forschungsanstalten erteilten 2009 insgesamt 15‘713 Lehrauftragsstunden und betreuten 420 Bachelor-, Master- oder Diplomarbeiten sowie 620 Dissertationen. «Damit leisteten auch die Forschungsanstalten einen gewichtigen Beitrag zur Lehre, sowohl innerhalb des ETH-Bereichs als auch an anderen Schweizer Universitäten», sagte Fritz Schiesser.
Relevante Resultate für den Lebens- und Wirtschaftsstandort Schweiz
Dank dieser hervorragenden Positionen wirkt der ETH-Bereich in der Schweiz als eigentlicher Innovationsmotor. Sowohl die beiden Hochschulen als auch die vier Forschungsanstalten haben ihre Anstrengungen zum Wissens- und Technologietransfer nochmals intensiviert: Die Palette der Angebote wurde erweitert, nicht zuletzt um sehr sichtbare Elemente wie das Quartier de l’innovation an der EPFL oder den Incubator glaTec an Empa und Eawag sowie Initiativen wie ETH Production Technologies der ETH Zürich. Die rege Gründungstätigkeit hielt mit 45 Spin-offs (langjähriger Durchschnitt: 27) trotz der verhaltenen Wirtschaftslage an. Am PSI leistet die Synchrotron-Lichtquelle wichtige Dienste für die Schweizer Universitäten, für die Industrie sowie für die medizinische Diagnostik. Die WSL wirkte entscheidend bei der Prävention vor Naturgefahren mit und hat beispielsweise für den neuen Tiefbahnhof in Zürich eine Hochwasserwarnplattform (Sihl) geschaffen. Von der Empa waren für die Öffentlichkeit beispielsweise eine Ökobilanz-Analyse von Biotreibstoffen oder das Schadengutachten des St.Galler Turnhalleneinsturzes höchst relevant. Die Eawag arbeitete 2009 u.a. eng mit dem Bundesamt für Umwelt und dem Bundesamt für Gesundheitswesen zusammen an einer neuen Trinkwasserstrategie für die Schweiz.
Internationale Spitzenposition ausgebaut – wichtiger politischer Auftrag erfüllt
In den internationalen Rankings konnten die beiden ETH ihre Spitzenpositionen 2009 weiter ausbauen: Im Hochschul-Ranking des Times Higher Education Supplement (THES) belegt die ETH Zürich neu Platz 20 (Vorjahr: 24). Die EPFL festigte ihre Position als Top-50-Hochschule, indem sie auf Rang 42 (Vorjahr: 50) vorstiess. Auch im Forschungsranking der Shanghai Jiao Tong University (China) hat die ETH Zürich mit dem 23. Rang (Vorjahr: 24.) – wie in den Vorjahren – ihre Position als die beste kontinentaleuropäische Hochschule bekräftigt. In «Ingenieurwissenschaften/ Technologie und Computerwissenschaften» stehen neu beide ETH an der Spitze der kontinentaleuropäischen Hochschulen. Die EPFL hat sich in diesem Forschungsfeld mit einem weltweit gemessenen 15. Rang sogar als gesamteuropäisch beste Hochschule positioniert. Eine eindrückliche Reihe internationaler Top-Auszeichnungen für Forschende der beiden ETH sowie der grosse Erfolg bei der Akquisition von europäischen Unterstützungsgeldern (ERC Grants) im Wettbewerb unterstreichen die Spitzenposition.
Ähnliches gilt für die vier Forschungsanstalten: Über 2000 Forschende aus der gesamten Welt nutzen das PSI als Grossforschungslabor, an welchem auch der Chemie-Nobelpreisträger 2009 einen Teil seiner Forschungen durchführt. Die Krebsbehandlung mit Protonentherapie, die Herstellung von synthetischem Erdgas aus Holz sowie die Forschungspartnerschaft bei der Entwicklung einer Brennstoffzelle sind weitere Pioniergebiete des PSI mit weltweiter Ausstrahlung. Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung hat generell seine internationale Position gestärkt und mit zahlreichen Partnern eine viel beachtete, energiesparende Schneilanze entwickelt. Die Empa ging in einer Studie der HSG und der KTI als eine der Top-10 ausseruniversitären Forschungsinstitutionen Europas hervor. Die Qualität der Eawag wurde von einem internationalen Expertengremium in einer formellen Review bestätigt.
Neue internationale Perspektiven – Drängende Forschungsfragen
Wie ETH-Ratsmitglied Dr. Dr. h.c. Barbara Haering an der Medienkonferenz ausführte, sieht sich die Schweiz und damit der ETH-Bereich aber einer wachsenden internationalen Konkurrenz gegenüber. Als Mitglied des Beirats für den europäischen Forschungsraum (ERAB) zeigte Barbara Haering auf, wo und wie europaweit neue Prioritäten gesetzt werden: «Forschung wurde vom politischen Projekt zum politischen Ziel aufgewertet. Die Bedingungen für Forschungsförderung wurden entsprechend stark verbessert, und die EU arbeitet an einer Innovationsstrategie.» Auch in Asien finde ein markanter Ausbau von Forschung und Entwicklung statt: So haben sich die Bruttoausgaben für Forschung und Entwicklung gemessen am Bruttoinlandprodukt zwischen 2000 und 2007 in Japan (von 3.04% auf 3.40%), in Südkorea (von 2.39% auf 3.22%) und in China (von 0.9% auf 1.22%) gesteigert (Quelle: DG Research der EU). Für Barbara Haering ist daher klar: «Die Schweiz darf heute nicht auf ihren guten Positionen ausruhen. Sie muss insbesondere wissenschaftspolitisch für die EU attraktiv bleiben, um weiterhin in europäische Überlegungen zur Entwicklung der Wissenschaft einbezogen zu werden.»
Können wir uns leisten, uns wissenschaftliche Exzellenz nicht mehr zu leisten?
Vor diesem Hintergrund ist der ETH-Rat gemäss Fritz Schiesser besorgt, dass sich in der Schweiz neue interne Verteilkämpfe um Gelder abzeichnen: Die angekündigten Sparmassnahmen des Bundes (Konsolidierungsprogramm und Aufgabenüberprüfung) könnten den ETH-Bereich in den nächsten Jahren je über 50 Mio. CHF kosten. Der ETH-Bereich sollte aber dringend in die Betreuung der Studierenden in-vestieren, wo er bereits heute international nicht mehr ganz an der Spitze steht. Zudem stehen wichtige Forschungsinfrastrukturprojekte von nationalem Interesse wie die 2009 an der ETH Zürich im Tessin gut vorangeschrittene Implementation der nationalen Strategie Hochleistungsrechnen (HPCN), der neue Freie-Elektronen-Röntgenlaser SwissFEL am PSI und das Neuroinformatikprojekt Blue Brain an der EPFL an. Beim ETH-Bereich laufen derzeit Überlegungen zur Stärkung des gemeinsamen Auftritts: «Wir sollten im Ausland einen Beitrag leisten, um die Bedeutung des BFI-Standorts Schweiz noch besser her-vorzuheben. Im Inland müssen wir stärker unterstreichen, dass internationale Exzellenz die Voraussetzung dafür ist, dass der ETH-Bereich in der Schweiz als Innovationsmotor wirken kann.»
|